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WandelWald soll Klimawandel trotzen

Freiwillige pflanzen Bäume im Botanischen Garten

Resiliente Baumarten finden, die sich den veränderten Klimabedingungen besser anpassen: Das ist das wissenschaftliche Ziel des WandelWalds, den rund zwei Dutzend Freiwillige im vergangenen Winter an einem Hang im Botanischen Garten der Uni Ulm angelegt haben. Die Idee dazu hatte Professorin Emma Sayer vom Institut für Botanik, die zusammen mit ihren Studierenden den klimaresistenten Wald in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erforschen will.

Zusammen mit Mitarbeitenden von Forst Baden-Württemberg (ForstBW) haben die Freiwilligen, darunter viele Studierende der Biologie und der Psychologie, rund 250 Setzlinge auf die gerodete Fläche im Botanischen Garten gesetzt. Dazu zählen Buchen, Eichen und Linden (Fagus, Quercusu und Tilia), die immer als Paar von einheimischer und fremdländischer Art gepflanzt werden. Denn durch den direkten Vergleich erhoffen sich die Forschenden um Professorin Emma Sayer Erkenntnisse über die Resilienz der Arten bei sich verändernden Klimabedingungen.

»Wir setzen hier neben eingeführten Baumarten auch auf solche, die unter den für Mitteleuropa prognostizierten künftigen Klimabedingungen gut wachsen dürften und widerstandsfähiger gegen extreme Wetterereignisse oder Schädlingsbefall sind«, erklärt Emma Sayer, Professorin für Ökophysiologie. »Allerdings wissen wir noch sehr wenig über die Leistungsfähigkeit vieler dieser Arten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets und noch weniger darüber, wie sich neue Baumarten auf Ökosystemprozesse auswirken oder wie sie mit anderen Arten interagieren werden.«

In Zukunft sollen im WandelWald Biologiestudierende Pilotstudien und Bachelor- oder Masterarbeiten zu unterschiedlichen Fragestellungen wie Waldökologie, Mensch und Natur und Arteninteraktionen durchführen. Für die Psychologie ist das Thema »Naturkontakt am Arbeitsplatz« interessant. Auch Jule Kupfer und Karolina Haberland wollen ihre Masterarbeiten über den Wald schreiben und interessieren sich für klimaresistente Baum-Alternativen. »Außerdem hat es Spaß gemacht, etwas mit den eigenen Händen zu tun«, so die zwei Biologiestudentinnen weiter. Zusammen mit rund zwei Dutzend weiteren Freiwilligen haben sie sich an einem kalten und verschneiten Vormittag Ende November auf dem gerodeten Hang eingefunden und setzen genau nach Anleitung die Baumpaare zwischen die Brombeersträucher, die die Fläche inzwischen erobert haben.

Prof. Emma Sayer hatte die Idee zum WandelWald

Betreut werden die 0,2 Hektar Fläche in der Nähe des Farntals von ForstBW, der hier Fichten fällen musste, die teilweise vom Borkenkäfer befallen und abgestorben waren. Forstbezirksleiter Thomas Herrmann ist mit seinem Team bei der Baumpflanzaktion dabei. Er lobt den Beispielcharakter der etwas anderen Wiederaufforstung aus Sicht des Forstwirts: »Wir brauchen heute schon Ideen, wie wir in zwanzig oder dreißig Jahren ertragreiche und stabile Wälder bekommen.«

Bis aus den rund ein Meter großen Setzlingen stattliche Bäume und bestenfalls sogar ein richtiger Wald geworden ist, wird noch viel Zeit vergehen. Für die Pflege und Versorgung ist aber bestens gesorgt, denn der WandelWald gedeiht unter den wachsamen Augen der Forschenden und Forstmitarbeitenden.

Gruppenbild der Freiwilligen

Text und Fotos: Daniela Stang